Kein Tag für Helden.

August Beckers Chronik vom Sonntag, den 23. 12. 2012

Blick in die Nachrichten: nichts, was hängenbleibt. Blick ins Wikipedia: eine Menge Namen von Mitbürgern, die an einem 23.12. geboren oder verstorben sind, aber hymnentragende Töchtersöhne sind keine darunter.

Natürlich sind da Noch-Berühmtheiten wie Königin Silvia, Helmut Schmidt (ein deutscher Altkanzler) oder Kaiser Akihito. Aber das Außergewöhnliche, den Lauf der Welt Verändernde scheint einen großen Bogen zu machen um diesen 23. Dezember. Sind ja auch echte Pechvögel, diese Fast-Jesusse! Von Anfang hören sie, dass sie den Datums-Jackpot verfehlt haben, ganz knapp zwar nur, aber doch verfehlt. So etwas gräbt sich ein in die Hirnwin­dungen, sagt einem vielleicht, ja, du könntest das große Ding hier schaukeln, aber womöglich scheiterst du auch genauso knapp wie mit deinem Geburtstag, der zwangsweise untergehen muss im Vorweihnachts­trubel oder gar aus praktischen Gründen nach hinten verlegt wird, was seiner Abschaffung gleichkommt.

Wer aber keinen richtigen Geburtstag hat, ist quasi heimatlos, weil ihm jener Tag fehlt, an dem es legitim ist, dass sich alles nur um ihn dreht. Er bekommt nie einen Vorgeschmack auf Heldentum und Ruhm. Dieses „Ach ja, nicht zu vergessen, alles Gute zu deinem gestrigen Geburtstag“ löscht den Glauben an die eigene Bedeutsamkeit, macht einen zufrieden mit 15 Minuten Ruhm und anfällig für Idole, die sich ihrer Bedeutsam­keit wohl bewusst sind.

Kein Tag für Helden also, aber scheinbar ein Tag für Hinrichtungen, von denen sich einige in den Annalen finden. Eine möchte ich hier herausgreifen: die des Ketzers Johannes Sylvanus, dessen Enthauptung seine Kinder beiwohnen mussten. Was denkt sich jemand, der vor dem {großen Fest des Kindes aller Kinder} Kinder bei der Ermordung ihres Vaters zusehen lässt? Hoffentlich nichts, weil alles andere noch viel schlimmer wäre.

Dieser Johannes Sylvanus (der wahrscheinlich nur Waldner hieß) hatte sich angemaßt, an der Dreifaltigkeitslehre der Kirche zu zweifeln. Weil sie heidnischen Ursprunges sei, weil sogar namhafte Theologen sagten, für ein Dogma reichten die vagen biblischen Hinweise nicht aus. Sylvanus lehrte etwas leicht Verständliches: es gibt einen unnahbaren, unbegreiflichen Gott Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde, und seinen nahbaren, begreiflichen Sohn als Mittler zu den Menschen. Marketing-Strategen würden heute zu Syl­vanus sagen: super, du holst unsere künftigen Kunden genau dort ab, wo sie stehen. Du bist unser Mann.

Nicht so die Kirche. Sie, deren Auftrag es ist, jahraus, jahrein die Frohbotschaft zu verkün­den, hat jahrhundertelang auch die überflüssigsten Fragen mit dem Schwert geregelt und zeigt sich jetzt entsetzt, wenn andere Religionen es ihr gleichtun. Dabei bräuchten sie nur zu sagen: Hey, wir haben das geilste Produkt aller Zeiten, etwas, das alle haben wollen: den Frieden! Und wir haben das Monopol auf die Schriften seines ersten Propheten! Vergesst die Typen mit dem Halbmond, die ständig was abschneiden wollen von euren Körpern. Deren Produkt ist nicht halb so gut, weil sie das alte Angstessenseeleauf hineingemixt haben. Kommt zu uns! Wir nehmen euch so, wie Gott euch geschaffen hat und auch sich selber, um uns höchstpersönlich das Menschein vorzuleben.

Mayonara!

August Beckers Chronik vom Samstag, den 22. 12. 2012 

Wir haben’s ja alle gewusst: es wird nicht passieren. Und es ist nicht passiert. 

Ich sitze seit Langem mal wieder im Aquarium (für Nichtgrazer: im Glasvorbau des Opern Cafés), gleich neben der nach Westen verlegten Türe, bei der mit jedem Gast, der ein- und ausgeht, die Winterkälte hereinzieht, gottlob nur –1 °C, also grad soviel, dass man nicht vollends versinkt in fahrlässiger Wohligkeit und mit frierenden Waden nochmals revue pas­sieren lässt, was gestern tatsächlich abgelaufen ist im Kopfe von Sheik Yerbouti, ihr wisst schon, des Herrschers von al Ahrám, der Brielmann-Fillen gegen Ferraris eintauscht und der die stets verregneten Lesungen einer bestimmten Grazer Autorengruppe zwecks Wasser­gewin­­nung in sein Wüstenreich ver­legen möchte. 

Dieser Sheik Yerbouti hat also Folgendes vernommen: wir haben uns gerirrt mit dem Welt­untergang. Der 13. Bak‘tun war gar nicht der letzte, es gibt auch noch einen vierzehnten, und in 394 Jahren wohl auch noch einen fünfzehnten. Und der Gott, der erscheinen sollte, ist gar kein Endzeitgott. Na, bumm. Wir hätten schlicht diese Stele der Mayas besser lesen sollen. Die Mayas sind nicht schuld, wir, die uninspirierten Technodeppen, haben es wieder einmal vermas­selt, wie auch schon bei der Verschmutzung von Erde, Feuer, Wasser und Luft, bei der Ausrot­tung zahlloser Tierarten und der Vernichtung zahlreicher Kulturen. 

So oder so ähnlich stand oder schallte es gestern in oder aus allen Medien. Keine Rede da­von, dass auch eine richtig übersetzte Maya-Stele kompletten Humbug geliefert haben könnte, weil auch die Mayas nicht unfehlbar waren. Oder wie sonst wäre erklärbar, dass ihr Kalen­der einen Zyklus von mehr als 5000 Jahren umfasste, mithin also einen längeren Zeit­raum als ihre Kultur überdauert hat? Offenbar haben sie ihren eigenen Niedergang nicht vorhergesehen. Aber ihr Kalender war doch der komplizierteste aller Zeiten! Na und? fragt der ungläubige Scheich. Ist kompliziert immer gut oder gar besser? 

Mitnichten! Gerade das Nichtwissen um zentrale Vorgänge gebiert Megahalden von angeb­lichem Wissen mit reichlich darauf wachsenden Irrtumspyramiden. Beispiele gefällig? Wie wär‘s mit einem Klassiker, dem „Hexenhammer“? 400 Seiten genaueste Beschrei­bung, wie man eine Hexe erkennt, überführt und „heilt“. 400 überflüssige Seiten, die tausende über­flüssige Inquisitoren zur Folge hatten, zehntausende überflüssige Prozesse und fast ebenso­viele Hinrich­tungen, Tierquälereien nicht mitgezählt. Oder die „Zyklen“ der Wirt­schafts­for­scher: endlose Tiraden über Bilanzen, die sich schlussendlich als gefälscht heraus­stellen. Ganz zu schweigen von den drei meistgedruckten Büchern der Welt, deren Inhalt mit den Sätzen „Es gibt keinen Gott“, „Kommu­nismus funk­tioniert nicht“ und „Die Kultur bestimmt den Men­schen, nicht sein Erbgut“ in Grund und Boden versinkt. 

Merkt euch also, Leute: wo Wissen sich auftürmt, fehlen zumeist die großen Erkenntnisse. Gerade seine Kompliziertheit legt nahe, dass der Maya-Kalender Humbug ist und seine Erfin­der nur planlos herumgeschustert haben an der Zeit. Sie sahen die Gestirne, konnten sie aber nicht deuten, und waren so schließlich hilflos der Dürre und den Spaniern ausge­liefert. Ein einziger Satz, nämlich „Die Zukunft steht nicht in den Sternen“ hätte genügt, um sie zurück zu bringen auf den Pfad der Erkenntnis. Mayonara, bis in 394 Jahren!

Sundance über den Wolken.

August Beckers Chronik vom Freitag, den 21. 12. 2012

Der Autor hat gestern gemutmaßt, dass es nie einen Ausfall der Grazer Fernwärme gegeben hat, sondern nur eine Umleitung der Wärme in das SubSup. Heute ist er sich sicher, dass dem so war.

Er hat nämlich jenen Logistiker wieder getroffen, der das russische Reparaturteam für unse­re Fernwärmeleitung engagiert haben will. Den mit der Freundin in Kasan in Zentral­russland, die er immer nur auf Parkbänken trifft (nachzulesen in der ABC vom letzten Diens­tag). Wer jetzt glaubt, dieser habe den Autor wegen seines publizistischen Verrates zur Rede gestellt, der irrt, denn der Logistiker liest August Beckers Chronik nicht, genauso wenig wie seine hiesige Frau, eine Afrikanerin, die hoch­schwan­ger ist zum dritten Kinde.

Ja, dieser Logistiker hat dem Autor ein weiteres Geheimnis verraten, an dem auch der Leser teilhaben möge: Man könne die Liebe eines Paares daran messen, wie viele ihrer künftigen Kinder die beiden beim ersten Male in den Augen des jeweils anderen sehen könnten. Wer jetzt glaubt, dies sei ein äquatorialer Voodoo-Trick, der irrt schon wieder: nein, diese Geschichte ist ein abgewandeltes Zitat aus dem Film „Don Juan de Marco“, erschienen 1995, mit Johnny Depp, Marlon Brando und Faye Dunaway in den Hauptrollen.

Und nun kommt’s: der Genannte will sechzehn Kinder in den Augen seiner Frau gesehen haben und sie in den seinen, und selbstverständlich ziehen die beiden das durch. Damit so was überhaupt machbar ist, hat er als Logistiker den genialen Plan gefasst, seine Familie mit Nebenfrauen zu verstärken, die ihn alle abgöttisch lieben und deshalb bereit sind, auf eigene Kinder mit ihm zu verzichten, um sich denen seiner Hauptfrau widmen zu können. Seine Liebschaft in Kasan dient also einem höheren Zweck! Hand aufs Herz: würden Sie diesem Herrn einen Tag lang Ihr Auto anvertrauen? Nein? Dann verstehen Sie, warum August Becker an das Team aus Kasan nicht mehr glaubt. Und wen das noch nicht überzeugt hat, dem sei verraten, dass unser Neo-Patriarch seine Ne­benfrauen aus Spam-e-mails rekrutieren will, ver­mut­lich wegen der vielen Millionen, die solche Bräute üblicherweise mitbringen!

So weit, so amüsant. Doch eine Frage bleibt offen: ist der Autor diesem Verrückten nur zufällig begegnet oder wurde er gezielt benutzt, um via ABC ein falsches Gerücht zu nähren? Oder hat schlicht August Becker die Rückkehr seines Flaschengeistes nicht verkraftet (Näheres dazu in der ABC vom letzten Mittwoch)? Das muss schleunigstens geklärt werden! Denn wenn August heute dem Weltuntergange beiwohnt (dem dritten in seinem Erdendasein, siehe ABC vom letzten Sonntag), dann möchte er schon wissen, ob dieser nun tatsäch­lich statt­findet oder nur im Kopfe von Sheik Yerbouti in a Medi­terr­anean Sundance über den Wolken.

Kopf hoch!

August Beckers Chronik vom Donnerstag, den 20. 12. 2012

Ganz Graz ist erschüttert vom tragischen Schicksal des Kranführers Mehmet A. und seiner beiden Töch­ter, so knapp vor Weihnachten. Wie konnte dieser Kran umkippen? Experten werden rätselraten, werden eine Windbö in 20 Metern Höhe ver­muten, den Riss irgend­einer Befestigung, oder sie werden Mehmet A. unterstellen, in einem Anfall geistiger Um­nachtung auf den Kran gestiegen und diesen unsachgemäß in Betrieb genommen zu haben. Nur die einzig wirklich plausible Erklärung wird niemand äußern: dass der Boden unter dem Kran eingebrochen ist. Warum sollte dies die einzige plausible Erklä­rung sein? wird der Leser fragen. Und warum sollte niemand sie äußern wollen?

Antwort auf das erste Warum: Weil so alles Sinn ergibt. Seit Monaten wird der Andreas-Hofer-Platz unterhöhlt, um ein sogenanntes Subterranes Superzentrum („SubSup“) zu bau­en. Wie der Autor gestern in Erfahrung bringen konnte – fragt nicht, wie ihm das wieder gelun­gen ist – , sollte dieser innerstädtische Einkaufs- und Vergnügungs­tempel an diesem Samstag mit Trara eröffnet werden, Ladenschluss erst um Mitter­nacht. Niemand konnte ahnen, dass die tiefen Temperaturen die Decke des „Sub­Sup“ so verändern würden, dass ein zufällig darauf stehender Kran einbrechen würde. Und als der Kran sich zu neigen begann, hat man einfach den Kranführer zu seinem Gerät beordert, um den Arm woanders hin zu stellen, vielleicht hilft’s, evakuieren kann man ja immer noch. Doch das Manöver erbrachte das Gegenteil, der Kran stürzte um und sein Führer starb. Schlech­te Publicity, wenn das SubSup schuld ist an so einem Unfall. Viel Geld steht auf dem Spiel, darum alles vertuschen. Das ist die Antwort auf Warum Nr. 2.

Der Kran stürzte also um und verursachte ein paar Kollateralschäden, darunter auch ein Rie­senloch in der Neutorgasse. Was – oh Graz, frohlocke! – dazu geführt hat, dass das SubSup  – so die neuesten Gerüchte – nun schon heute abend eröffnet wird, am Tag vor dem angeblichen Welt­untergang. Wird Santa Claus dann als Doomsday Claus erscheinen? Ho Ho Ho Ho! Wird er ein schwarzes Kostüm tragen und für Cola Zero werben? Und wenns dann knirscht im Gebälk, wen wird er retten auf seinem Dollarschlitten? Doch wohl unseren ge­liebten Bürger­meister und die Macher des SubSup!

Der Kran hat natürlich noch ein Loch gerissen, das ursprüngliche an seiner Basis, das ihn kippen ließ. Dieses Loch wurde gestern eilig zugeschüttet, damit der wahre Grund für den Unfall schon bald ins Reich der Legenden verwiesen werden kann. Klug ge­macht, ihr SubSupianer. Aber es gab eine Person, die das Einbrechen des Kranes fotografiert hat. Auf diesen Fotos sieht man die eingesunkene Basis des noch schräg stehenden Krans, um die herum derselbe Dampf aufsteigt wie später aus dem Loch in der Neutorgasse. Und der Dampf aus dem Loch in der Neutorgasse war, da sind sich alle einig, die warme Luft des SubSup. Womit die Antwort auf das erste Warum bewiesen wäre.

Aber wie konnte es so warm sein in dem unterirdischen Tempel, wo doch die Fernwärme teilweise ausgefallen war? Tiefenbohrung? Gasheizung? Oder war die Fernwärme gar nicht ausgefallen? Wurde sie nur in das SubSup umgeleitet? Gab es dieses Team aus Kasan gar nicht? Ist August Becker vor zwei Tagen in der Hemingway-Bar einem Lockvogel aufgeses­sen? Sommernähte, gibt es die überhaupt? Googeln kann man „Sommernaht“ nicht. Es erscheint ent­weder „Sommernacht“ oder „der Sommer naht“. Reiner Zufall oder professio­nelle Täu­schung von Bauherren, die seit Monaten unerkannt im Finstern baggern?

P.S. Eine Schwerverletzte gab es ja auch noch. Wie der Autor in Erfahrung bringen konnte, verlor sie durch eine Strebe des Krans beide Beine. Halb so wild, immerhin lebt sie ja noch. Wird sie von irgend jemandem Schadenersatz bekommen? Natürlich nicht, es war ja höhere Gewalt. Kräne, die aus zwanzig Metern herunterkrachen, sind immer höhere Gewalt. Haha. Wer sagt außerdem, dass ihre Beinfreiheit nicht auch ein Vorteil sein könnte? Vielleicht wird sie berühmt als erste Prothesenkandidatin bei Dancing stars? Oder als Kommissarin auf Krücken bei neuen Folgen von Kottan ermittelt? Schremser, just heute im Himmel 88 gewor­den, würde sich freuen über eine würdige Nachfolgerin, die auch noch die Frauenquote stärkt. Kopf hoch! Denn wenn die Beine weg sind, zählt jeder Zentimeter.

Better to burn out than to fade away.

August Beckers Chronik vom Mittwoch, den 19. 12. 2012

 

Der Autor könnte behaupten, er hätte irgendwo ergoogelt, dass diese legendäre Textzeile von Neil Young an einem 19. Dezember entstanden sei. Scheiß drauf. Der Autor hat es satt, seine Gedanken davon abhängig zu machen, was zu jedem Datum auf Wikipedia zu lesen steht. Wen’s interessiert, der soll’s doch selber googeln. Und wer einen witzigen Einfall dazu hat, kann diesen ja dem Autor mailen.

Diese Zeilen sind unter Drogeneinfluss entstanden. Genau genommen Whisky, den der Autor zu sich genommen hat, weil seine Heizung seit zwei Tagen ausgefallen ist. Er hatte verges­sen, wie sehr guter Whisky auch den Geist aufzuwärmen vermag. Und plötzlich wurde ihm klar: was er da vorgestern in einem Studentenlokal erlebt hat, war genauso absurd wie sein eigenes, in den letzten Jahren immer mutloser geführtes Leben.

Da veranstalteten doch tatsächlich ein paar Typen eine Dichterlesung unter dem Titel „Ret­tet die Anfänge“. Der Autor dachte zunächst, es handle sich um eine Parodie auf „Weh­ret den Anfängen“. Aber dann lasen diese Literatoiden irgendwelche Fragmente, Texte, die sie einmal begonnen, aber mangels Inspiration nicht fertig gestellt hatten, und ließen das Volk darüber abstimmen, welcher davon nun bin­nen eines Monats zu vollenden sei, und ein derart hausgeübungter Text gelte dann als gerettet. Wovor gerettet? Wofür gerettet? Das konnten sie nicht sagen.

Das erinnerte den Autor an die Medizin, seine ganz persönliche hassgeliebte Lebensbeglei­terin (wer mehr darüber wissen möchte, studiere die ABC vom letzten Sonntag). Auch sie rettet andau­ernd, ohne zu wissen, wovor und wofür. Sie hat dem Autor vor einigen Jahren zu hohe Leberwerte angelastet und ihn dadurch quasi verflucht, eines Tages an Leber­zirrhose zu ster­ben. Und der Autor, durch eine Verletzung geschwächt, hat sofort um sein Leben gewinselt, bitte, bitte, nur das nicht, ich entsage fortan dem Whisky!

Er hat sich leider nicht gefragt, wie sein auf diese Weise gerettetes Leben aussehen würde ohne diesen Whisky, und seit gestern weiß er: beschissen, so beschissen, dass selbst seine Frau ihm vorgeworfen hat, der alte August sei ihm abhanden gekommen und ihr natürlich auch. Aber nun ist klar: der alte August war nur auf Urlaub, er saß als Geist in einer Flasche Justerini und Brooks, und mit jedem Glas J&B on the rocks kehrt dieser Geist wieder in den Körper zurück, für den er und der für ihn geschaffen wurde.

August Becker ist unheilbar und unrettbar, merk dir das, Frau Medizin. Und jetzt, wo er sich zu nichts mehr verpflichtet fühlt, jetzt schaut er wie zum Hohn hinein in die Annalen des 19. Dezembers. Sind wohl Süchtige darunter? Menschen, die lieber ausbrannten als dahin­siech­ten? Aber natür­lich! Gustav Adolf II, Edith Piaf, Professor Longhair, Alvin Lee, Limahl, Ben Becker, Alberto Tomba, um nur die zu nennen, von denen es der Autor sicher weiß. Viel­leicht zählt auch eines Tages Til Schweiger dazu, wenn er anfängt, sich jungoperieren zu lassen. Laden wir sie doch alle ein auf einen Easy Ride bis tief in das Revier der Rednecks, wäh­rend Otto Hahn sich im Hintergrund gerade fragt, wie in das Uran wohl das Barium hinein­gekommen sein mag, das vor der Bestrahlung sicher nicht drinnen war. Er wird später diesen Vor­gang „Kern­spaltung“ nennen und damit in die Geschichte eingehen. Soll er sich dafür entschuldigen, nur weil andere damit Mist gebaut haben? No, je ne regrette rien.

For whom the bell tolls.

August Beckers Chronik vom Dienstag, den 18. 12. 2012

Graz, Hemingway-Bar, drei Uhr morgens. So spät ist der Autor noch nie dran gewesen mit dem Schreiben seiner Chronik. Er hat eine Menge Zeit mit einem Logistiker einer großen Firma verquatscht, offenbar mit jenem Mann, der in Russland das Reparatur-Team für unsere kaputte Fernwärme­leitung aufgetrieben und angeheuert hat. Der Besagte fand dieses Team in Kasan an der Wolga, wo es jeden Winter so kalt ist wie bei uns jetzt. Die Menschen dort scheint das nicht zu stören, ja seiner Meinung nach ist Kasan die bunteste Stadt der Welt. Ich habs gegoogelt: er könnte recht haben.

Es muss diese Farbenpracht sein, welche die Kasaner (oder Kasani oder Kasanesen oder Kasanier) derart locker durch den Winter bringt. Das haben wir nun davon, dass wir Graz immer nur halb­herzig angefärbelt haben: das Grau diverser Betonkunstwerke schlägt mit beißender Kälte zurück! Wenn da wenigstens Grafittis wären! Aber nein, die müssen runter, denn das Betongrau ist ja Teil eines Konzeptes, künstlerisch genauso wertvoll wie Gold, Himmelblau, Pink oder Sommergrün. Man hat sogar einmal einen Grafitti-Wettbewerb hier veranstaltet, aber nicht um Graz aufzubunten, nein, um der Sprayer-Szene auf die Schliche zu kommen, und jene, die so dumm waren, ihre Live-Werke zu signieren, zu hohen Scha­densersätzen für unerlaubte Sprayings verurteilt, die die gleiche Signatur trugen. Glaubt mir, Leser: die –31°C waren längst in unseren Herzen, bevor sie da draußen herein­brachen.

Evgeniya, der Name unserer Kältebringerin, ist übrigens ein häufiger Name in Kasan. Wenn eine Frau in Kasan untertauchen will, nennt sie sich Evgeniya, betreibt sie Geheimprosti­tution, inseriert sie unter Evgeniya, arbeitet sie als Putze oder Perle, ruft man sie Evgeniya, ob sie nun so heißt oder nicht. Der Logistiker von vorhin hat eine Geliebte dieses Namens in Kasan. Sie sagt ihm weder, wo sie wohnt noch wo sie arbeitet. Sie treffen einander immer um 16 Uhr auf einer bestimmten Parkbank, wo sich jeden Vormittag die frisch getrauten Brautpaare fotografieren lassen. Die beiden machen Liebe auf dieser Bank, dann gehen sie wieder auseinander. Sie wissen nie, ob es ein nächstes Mal geben wird inmitten dieser Pracht, und doch ist es bisher jeden Tag geschehen, den er sich in Kasan aufhielt.

Das lässt den Autor zurückdenken an einen Abend vor etwa zwölf Jahren. Er war damals schon mit seiner Frau liiert. Aus Gründen, die ihm entfallen sind, saß er eines Abends allein in seinem Stammcafe in Wien und probierte ein Spiel aus, das man ihm gezeigt hatte. Das Cafe war voll, und zwei Mädels Anfang zwanzig fragten ihn, ob sie sich zu ihm setzen dürften. Der Autor stimmte zu. Die eine mit ihrem schwungvollen Hut hatte es ihm sofort angetan. Sie wollte wissen, was er da spielte, also erklärte er es ihr, und sie spielten zusam­men eine Runde und dann noch eine. Es wäre ein Leichtes gewesen, sie nach ihrer Nummer zu fragen, aber der Autor verzichtete darauf, denn das Wichtigste von ihr hatte er bereits erhalten: das Wissen, wieder jemand Berauschenden treffen zu können, wenn mit seiner Freun­din etwas schief lief. Er kam an diesem Abend voller Euphorie nach Hause und verlobte sich. Was er nicht wissen konnte: diese Begegnung ist bis heute die letzte ihrer Art in seinem Leben geblieben.

Wusste Falco an jenem 18. Dezember, dass er gerade seinen letzten Live-Auftritt hinter sich gebracht hatte? Wusste Antonio Stradivari, dass er gerade seine letzte Geige fertig gestellt hatte? Wusste Gilbert Becaud um sein letztes Lied? Der Barkeeper hat gerade angekündigt, dass den Anwesenden hier bald die letzte Stunde schlage. Er meinte natürlich die Sperr­stunde. Also sollen wir gehen und am nächsten Abend wieder kommen. Aber ich kann nie wissen, ob ich tatsächlich jemals wieder hierher kommen werde. Alles, so wiederholbar es auch scheint, kann in Wahrheit das letzte Mal geschehen sein. You never know for whom the bell tolls.

Styrian Punxsutawney.

August Beckers Chronik vom Montag, den 17. 12. 2012

Sechs Uhr, der Radiowecker geht an, Sonny & Cher trällern „I got you babe“: wer kennt ihn nicht, den schrägsten Liebesfilm aller Zeiten, in dem ein Murmeltier names Phil die Haupt­nebenrolle spielt? Der arme Phil wird – einem alten Brauch gemäß – am 2. Februar einfach aus seinem Bau gezerrt und fachmännisch beäugt, ob er seinen Schatten erblickt oder nicht, um daraus das nahe oder ferne Ende des Winters abzuleiten. Kein Scherz, sondern ein wahres alljährliches Event in Punxsutawney, Pennsylvania, das tausende Schaulustige anlockt. Naja, USA halt, werden die meisten meiner Leser denken.

Weit gefehlt! Denn wir Steirer sind noch dämlicher. In St. Jakob, einem bis vor kurzem unbe­kannten Ort am Fuße des ebenso unbekannten Klausenkogels, wird jedes Jahr vor Weih­nachten ein Kater mit Federn und Lametta dekoriert, um anschließend das arme Tier mit Gejohle durch das Dorf zu jagen, zu „himpeln“, wie die Einheimischen es nennen. Und glaubt man den Übernachtungsstatistiken von St. Jakob, dann zieht dieses Spektakel namens „Klau­senbären­himpeln“ inzwischen schon fast so viele Schaulustige an wie Punxsutawney Phil. Der „uralte Brauch“ jährt sich heute immerhin schon zum zehnten Male und soll im nächsten Jahr in den Herbst verlegt werden, damit Promis wie Paris Hilton, die um Weihnachten keine Zeit zum Himpeln haben, auch daran teilnehmen können. Prost, alter Kater!

Blättern wir in den Annalen des 17. Dezember, so fällt auf, dass dieser Tag das Kuriose, Schräge, sprich das Himpelige anzuziehen scheint, so etwa die Einführung der Inquisition, den ersten motorisierten Flug, die Uraufführung einer unvollen­deten Symphonie, einen besseren Menschen namens Lassie, die verstrahlten Simpsons und den in einer Massen­hysterie resultierenden Tod von Kim-Jong-Il, dem II. Nicht zu vergessen, die Geburt Beet­hovens, des wohl einzigen Rockmusikers, der nicht durch seinen Verstärker taub gewor­den ist.

Ja, sogar August Becker lässt sich verhimpeln an diesem 17. Dezember und schreibt zum ersten Male Dankes­worte in seine Chronik, für gezählte 257 Glückwunsch-Mails zu seinem gestrigen Geburtstag, die klin­gonischen und borginesi­schen noch gar nicht mitgerechnet, sein persönlicher Murmeltiertag sozusagen, inklusive De-ja-vue am Morgen. Aber nicht Sonny & Cher läuten den Tag ein, sondern dieses Dröh­nen aus der Tiefe, dieses unheilvolle Grollen, das mit jedem Tag zunimmt. Vielleicht sind die Klingonen ja schon hier und bauen da unten ein Raumschiff, das sich am 21.12.2012 mit ganz Graz auf seinem Rücken in die Atmosphäre erhebt, um die Welt untergehen zu lassen. Oder die Borg haben Graz in eine riesige Aufladestation verwandelt und entziehen uns so viel Energie, dass wir nie wieder Plusgrade sehen werden. Oder aber diese Geräusche sind lediglich das Werk alpha­zen­tau­rischer Witzbol­de, die uns nur aus den Häusern treiben wollen, um anhand unserer Schat­ten Vorhersagen über ihren Winter zu machen. Quo vadis, quid eris, Styrian Punxsutawney?

Klingoborginesisch.

 August Beckers Chronik vom Sonntag, den 16. 12. 2012 

Unter all den historischen Ereignissen, die sich heute jähren, möchte ich diesmal ein einzi­ges, wahrscheinlich für die meisten Leser völlig uninteressantes herausgreifen: den Geburts­tag des Autors dieses Periodikums. 

Ja, es ist nun schon 41 Jahre her, dass seine Mutter versucht hat, ihn ans Licht der Welt zu bringen, aber sein Kopf war zu groß, passte nicht durch ihren Beckenring, und ein Kaiser­schnitt rettete beiden das Leben. Nur hundert Jahre früher – ein Wimpernschlag in der Geschichte – , und ein Geburtshelfer hätte seinen Schädel angebohrt und ausgesaugt und anschließend mit einer Zange so weit zusammengedrückt, dass sich die Frucht wenigstens tot zur Welt bringen und sich so seine Mutter retten ließ.

Der Autor schuldet somit sein ganzes bisheriges Dasein der Medizin. Zum Dank hierfür hätte er eigentlich Arzt werden sollen und hat sich auch einige Semester lang redlich bemüht. Aber ein Kopf, der einmal den für ihn vorgesehenen Weg verlassen hat, so ein Kopf tut das immer wieder. Als dies dem Autor bewusst wurde, war’s aus und vorbei mit dem Mediziner in ihm. Das mitunter schmerzvolle Untersuchen hat er jedoch beibehalten, nur legt er sein Stethos­kop jetzt an den Puls einer Stadt, einer Gesellschaft, ja manchmal sogar an den der ganzen Welt. Er diagnostiziert, aber er heilt nicht. Für viele ist er deshalb ein Heuchler, ein Nestbe­schmut­zer, aber was stört das einen, der von Natur aus gar nicht auf dieser Welt sein dürfte? 

Ja, August Becker lebte gut von seinen Diagnosen, hatte das, was man ein erfülltes Leben nennt. Doch dann kam der Tag, an dem die Medizin wieder in sein Leben trat. Der Autor hatte eine bis dato einmalige Story aufgegabelt: eine Jugendliche verweigerte ihre bevorste­hende Herz­transplantation, einfach so, gegen alle Vernunft der Medizin. Sie wollte schlicht jung sein ohne Makel wie die meisten anderen jungen Menschen auch. Und der Autor schoss ein Foto von ihr, in einer Diskothek, das ihr Kaiserschnitt hätte werden können, wenn nicht ein Wahnsinniger dazwischen gegangen wäre, einer von jener Sorte, die noch im Ge­burts­kanal stecken, vielleicht ihr Leben lang stecken bleiben werden, und der aus Frust über sein Steckengebliebensein den Autor spitalsreif schlug, ja sogar lebensgefährlich verletzte. 

Doch die Medizin kam, sah und rettete diesen ein zweites Mal vor dem biologisch beschlos­senen Tod, lieferte ihn sogar in jenes Spital ein, das er gerade bloßstellen wollte ob dessen undurch­sichtiger Machenschaften. Und der Autor fühlte sich wieder zu Dank verpflichtet, gab das Rauchen auf und seinen geliebten Scotch und verfiel sattdessen dem inspirativen Rausch nach Verzehr einer Tafel Schokolade, er tauschte seinen späteren Lungenkrebs oder Leber­zirrhose gegen Diabetes, denn irgend ein Leiden muss er mit sich herumtragen, damit die Medizin ihn auch ein drittes Mal retten kann.  

Ja, die Medizin hat ein Auge geworfen auf August Becker, die beiden kommen voneinander nicht los, und sollte die Welt auch unter­gehen in wenigen Tagen, August Becker wird es nicht. Sollte er zu Sturz kommen, sollten Trümmer auf ihn herabfallen, giftige Rauchschwa­den ihn einhüllen, die Medizin wird ihn da rausholen, damit er weiterhin berichtet über die Infektionen und Fehlfunktionen dieser Gesellschaft. August Becker wird weiterschrei­ben, solange es noch jemanden gibt, der seine Zeilen liest. Und darauf darf man immer hoffen, denn Geschriebenes ist geduldig, selbst wenn der nächste Leser erst in zwei Millionen Jahren kommen sollte, Facetten­augen trägt und sich einen zirpt auf klingoborgi­nesisch.

Last Christmas

August Beckers Chronik vom Samstag, den 15. 12. 2012

Es war tiefer Winter im Reservat der Sioux, die entweder den Befehl der Weißen zu befolgen hatten, weg zu ziehen, um daran zugrunde zu gehen, oder sich dem Befehl widersetzen konnten, mit der gleichen Aussicht. Häuptling Sitting Bull, der sich für eine Legende hielt, weil er mit den Weißen auf Augenhöhe sprach und sogar in der Show eines gewissen  Buffa­lo Bill aufgetreten war, widersetzte sich und war wenige Minuten später tot, als hätte er nie existiert. Er hatte die Kräfte nicht gekannt, die ihn am Leben erhalten hatten: weder sein Mut, sein Geistertanz noch seine Rhetorik waren es gewesen, sondern die Lau­nen des wei­ßen Mannes, für die er in dieser oder jener Form noch brauchbar gewesen war. –

Der zweite Weltkrieg war schon beinahe zu Ende, Frankreich bereits zurückerobert. Eine Musik­­legende namens Glen Miller, dem unter anderem Udo Lindenberg seinen Sonderzug nach Pankow verdankt, sollte in Paris auftreten und überflog zu diesem Zwecke in einer einmotorigen Maschine den Ärmel­kanal. Was er nicht wusste war, dass ein Geschwader ameri­kanischer Bomber gerade auf derselben Strecke zurück zu ihrem englischen Stützpunkt unterwegs war, und weil eine Landung mit überflüssigen, nicht zum Abwurf gekommenen Bomben als zu gefährlich galt, warfen sie ihre Fracht über dem Kanal ab, leider just als Mil­lers Maschine unter ihnen durchflog. Das Ende ist bekannt: Sein Flugzeug wurde von einer entsorgten Bombe getroffen, stürzte in den Kanal und wurde bis heute nicht gefunden. –

Eine Nobelklinik in Kalifornien in den Sechzigern. Ein hochkarätiges Ärzteteam hat gerade einen Menschen aufgeschnitten, der mit 800 erhaltenen Auszeichnungen auch noch 50 Jahre später zu den meistgeehrten Menschen der Welt zählen wird. Sie sehen, dass der Lungenkrebs ihres Patienten inoparabel ist, aber sie können diese Machtlosigkeit nicht zulassen, nicht sie, nicht bei diesem Patienten. Sie beschließen Ungeheuerliches: Sie werden ihn nicht wieder zunä­hen, aufwecken und seinen Tod geschehen lassen, nein, sie werden seinen Kopf abtrennen und einfrieren, damit der Genius darin wiedererweckt werden kann, wenn die Medizin eines Tages so weit ist. Der Name des Patienten: Walt Disney. Oder wars nur eine Spukgeschichte?

Es müssen also nicht immer die Iden des Märzes sein, an denen berühmte Personen durch andere Menschen umkommen, die damit Gutes zu tun vermeinen. Auch an den Iden des Dezembers wird gemeuchelt, was das Zeug hält. Vielleicht weil alle schon ihren Blick nach vorne gerichtet haben, zum Christkind und zur Ewigkeit, aus der dieses herniederschwebt für ein paar Stunden. Last Christmas I gave you my heart, but the very next day you gave it away. Auch dieses Lied ist Meuchelmord, sogar in zweifacher Hinsicht: einerseits, weil es das traurigste Weihnachten besingt, das einem passieren kann, und andererseits, weil just dieses Lied drauf und dran ist, das Ur-Weihnachtslied ‚Stille Nacht‘ von Platz 1 zu verdrängen. Unglück anstelle von Erlösung, Meuchelweihnacht.

Womit wir bei den heurigen Iden angelangt wären: Alle wundern wir uns, aber alle warten wir, halten still. Dabei spüren wir es tagtäglich unter unseren Füßen: Beim Abendessen, an der Bushaltestelle, im Schwimmbad, in der Schu­le, im Bett, immer die­ses dumpfe Grollen und Erzit­tern aus der Tiefe. Und die Schwerfahr­zeuge, die ohne Unter­lass nach Graz rollen, eine Invasion, die sich scheinbar in der Stadt in Luft auflöst, niemand gibt zu, dass da etwas faul ist, aber jeder weiß es tief in seinem Herzen: Nicht Weihnachten steht vor der Tür, sondern ein einmaliges Ereignis von gigantischem Aus­maß. Ist es doch der Weltuntergang? War last Christmas vielleicht das allerletzte Weih­nach­ten, zumindest hier in Graz?